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Erste Stationen im letzten Land

by - 25 Nov 2010

Gleich bei der ersten Autofahrt in Guatemala wurde uns vor Augen geführt, warum alle Fahrten in diesem Land sooo lang und beschwerlich sind: Die heftigen Regenfälle zur Regenzeit sorgen alle Jahre wieder für gewaltige Erdrutsche im ganzen Land. So waren auch jetzt vom wichtigsten Highway nur 2 der 4 Spuren befahrbar, denn entweder waren die Fahrbahnen unter haushohen Erdmassen begraben oder sie waren den Abhang hinabgestürzt. Bei unserer Fahrt ging es durch den Gegenverkehr, über provisorische Brücken, an Steilhängen entlang und durch tiefe Schlaglöcher. Ermattet und durchgeschüttelt kamen wir nach gut 10 Stunden in Guatemala am Atitlan- See an.

Lago Atitlan umgeben von Vulkanen, Guatemala

Dieser blau glitzernde See, der von 3 Vulkanen umgeben ist, wird zu Recht wegen seiner schönen Lage gerühmt und darf bei keinem Touristenprogramm fehlen.
Der See bietet aber nicht nur herrliche landschaftliche Ausblicke, sondern auch interessante kulturelle Einblicke. Denn an den Ufern des Sees liegen viele kleine Dörfer der indigenen Bevölkerung, in denen man noch eine der zahlreichen Maya-Sprachen spricht und die traditionellen Trachten trägt. Die ganze Bandbreite der lokalen Trachten wurde uns auf dem Markt von Sololá präsentiert.

Trachten in allen Farben, Markt Solola

Bei diesem Markt kommen alle Dorfbewohner der Umgebung zusammen, um sich durch ein Gewirr von Marktständen zu quetschen. Hier kaufen und verkaufen sie Kleiderstoffe, Plastikartikel, Mais und Hühner, hier gönnt man sich eine Portion Pommes mit Cola oder man erledigt ein wichtiges Telefonat.

Maedchen im Tragetuch, Markt Solola Oeffentliche Telefonzelle, Markt Solola
links: Am Kükenstand, rechts: Öffentliche Telefonstelle

Am nächsten Tag sind wir in den Pick-up eingestiegen, um in das 12km entfernte Dorf San Antonio zu fahren. Entgegen der optimistischen Einschätzung des Fahrers haben wir nicht 20, sondern stolze 45 Minuten für die Schlagloch-Piste gebraucht!
In San Antonio gibt es eigentlich nicht viel zu sehen und das macht es gerade so interessant. Denn dieses Dorf ist bisher von den Touristenmassen verschont geblieben und es bietet sich die Möglichkeit den ganz normalen Alltag dieser einfachen Leute zu erleben. Während die Alten im Hof Maiskörner zum Trocknen ausbreiten, waschen die Frauen mit Baby auf dem Rücken im See die Wäsche. Etwas verwundert, aber meist sehr freundlich hat man uns gegrüßt, als wir durch das Dorf geschlendert sind. Einige Frauen haben versucht, sich ein Trinkgeld zu verdienen, indem sie uns in ihr Haus eingeladen haben, um uns ihre Wohnräume zu zeigen.

Haus in San Antonio, Lago Atitlan Waschfrau mit Baby im Atitlan-See

Die meisten besitzen ein Haus aus Stein mit Wellblechdach – so gut geht es aber nicht allen. Das Dorf wurde 2005 von einem Hurrikan verwüstet und obwohl nun schon 5 Jahre ins Land gegangen sind, leben einige Dorfbewohner immer noch in Zelten. Manch einer versucht in den Trümmern noch einige brauchbare Steine zum Wiederaufbau zu finden und macht sich mit der Hacke ans Werk, sonst lassen Kinder auf den Geröllbergen ihre Drachen steigen.

Blick auf San Antonio am Atitlan-See Wohnen in Zelten und Ruinen nach Hurrican Stan (2005), Lago Atitlan
Aufraeumarbeiten nach Sturm- und Regenschaeden Kinder lassen Drachen steigen auf Schutthaufen

Am anderen Ufer des Sees, in Santiago de Atitlan, ist man die Touristen schon mehr gewöhnt, so dass man weniger grüßt und dafür lieber mal nach einem Dollar fragt. In diesem Dorf haben wir uns auf die Suche nach „Maximon“ gemacht, einem Zigarette rauchendem Mayagott, der in seinem schwarzen Anzug aussieht wie ein Mafiosi. Die Statue des Maximon findet jedes Jahr in einem anderen Haus Unterkunft, so dass es manchmal etwas dauern kann, bis man sich zu ihm durchgefragt hat. Der lasterhafte Gott wird noch immer sehr verehrt und man bittet um seinen Schutz, indem man ihm Zigaretten und Schnaps darbringt. Als wir Maximon gefunden hatten, war gerade eine Zeremonie in vollem Gange. Die Statue war umgeben von 2 Priestern, die regelmäßig die brennende Zigarette des Maximon von ihrer Asche befreiten. Der Hauptpriester sprach beschwörende Worte und schwenkte dazu ein Räuchergefäß. Er schien zu vermitteln zwischen Maximon und einem älteren Herren, der inbrünstig betend vor der Statue saß. Der Besuch bei Maximon bleibt unvergesslich, wenn auch rätselhaft.
Die 2 stündige Wartezeit auf unser Boot haben wir uns vertrieben, indem wir dem fröhlichen Treiben der Kinder zugeschaut haben, die den überfluteten Bootsanleger mit Parkbereich als Freibad umfunktioniert haben.

Ueberfluteter Bootsanleger wird zum Schwimmbad, Santiago de Atitlan

Am nächsten Tag haben wir unsere Rucksäcke gepackt und sind mit dem Boot zum Dorf San Marcos gefahren. In diesem Dorf hat sich ein alternativer Tourismus mit Mediations- und Yogazentren etabliert, in denen sich so mancher Gast findet, der sich selbst noch sucht. Obwohl wir uns schon vor über 9 Jahren gefunden haben, haben auch wir bei der morgendlichen Yogastunde die Sonne gegrüßt, Räucherstäbchen entzündet und Shanti gesungen. Um den Wohlfühlfaktor zu steigern, haben wir uns anschließend eine intensive Massage gegönnt. Die Tage in San Marcos standen also ganz im Zeichen der Entspannung.

Dschungelfeeling im Hotel "La Paz", San Marcos Unser Hexenhaeuschen in San Marcos, Lago Atitlan

Auch unser Hotel, das vollkommen von einem dschungelartigen Garten eingeschlossen war, war eine Oase der Ruhe. In unsere kleine Cabana haben wir uns sofort verliebt, denn das verwunschene Häuschen schien einem Janoschbuch zu entstammen. Friedrich hat dort abends sogar noch ganz unerwartet gratis eine weitere Massage bekommen: schwarz-weiße Mietzi hat sich in unser Schlafgemach geschlichen und deutlich gemacht, dass sie gedenkt, dort die Nacht zu verbringen. Zum Dank für die warme Logis hat sie Friedrich laut schnurrend den Rücken massiert.

Friedrich wird von Mietzi massiert

Die beschauliche Ruhe von San Marcos wurde nur hin und wieder durch das Lautsprechergetöse der evangelikalen Sekten des Ortes gestört, die uns auf ihren täglichen Bekehrungszügen ab 7h morgens über Jesus Christus informieren wollten. Aber zu solch unchristlichen Uhrzeiten haben wir uns lieber nochmal ins Kopfkissen umgedreht.

Jesus lebt

Da allzu viel Entspannung wieder nach Spannung verlangt, haben wir uns nach einigen Tagen in den vollen Chicken-Bus gezwängt, um zwischen Maiskolben-abnagenden und schmatzenden Trachtenträgern zum berühmten Markt von Chichicastenango zu fahren. Anders als der Markt von Solola ist dieser Markt inzwischen bei Tourveranstaltern aus aller Welt bekannt und wird von touristischen Hundertschaften gestürmt. Wir waren etwas enttäuscht, dass inzwischen der Großteil des Marktes nur noch aus Souvenirständen besteht und wir ziemlich lange suchen mussten, um überhaupt noch typische Marktszenen wie den Truthahn- oder Schweineverkauf zu sehen.

Schweinemarkt in Chichicastenango, Guatemala Truthahn-Verkaeuferinnen, Markt Chichi

Wie es im Land der Zwerge, wo Friedrich allen nur als blonder Riese erscheinen konnte, weiter ging, erfahrt Ihr schon bald im nächsten Artikel…

Friedrich im Land der Zwerge, Markt Chichi

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From → Guatemala

4 Kommentare
  1. judipuh permalink

    ich will auch so eine massage mietzi! 🙂

  2. DDlP permalink

    Weitermachen. Vielleicht schreibt Ihr den Blog in der gleichen Weise weiter über Eure Erlebnisse zurück in der Heimat.

  3. Teddy permalink

    die Katzenmassage … das wünsche ich mir aber auch :)))

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