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Wet and Dirty

by - 10 Sep 2010

Nein, dieser Titel kuendigt nicht einen neuen Film mit Gina Wild an, sondern beschreibt unser allgemeines Erscheinungsbild waehrend unserer letzten Dschungeltour.

Unter Lianen mit dem Kanu

Eigentlich lag die Tour ausserhalb unseres Budgets, aber nachdem wir ziemlich schnell festgestellt haben, dass das zentrale Hochland Ecuadors keine grosse Abwechslung zu Peru bietet, hatten wir den Eindruck, wir sollten nochmal etwas anderes machen. In Ecuador mussten wir erkennen, dass der vermutlich einzige Nachteil unserer langen Reise darin besteht, dass es inzwischen ein bisschen mehr braucht, um uns zu beeindrucken. Wir haben in den letzten Monaten einfach schon so viele faszinierende Dinge gesehen!
Um Ecuador also nicht als langweilig abzustempeln, haben wir uns dazu entschieden fuer 5 Tage in den ecuadorianischen Teil des Amazonasbeckens in das Cuyabeno-Reservat zu fahren. Die Vorstellung per Kanu das Labyrinth der Schwarzwasserfluesse von Cuyabeno zu erkunden und dabei die artenreiche Tier- und Pflanzenwelt des umgebenden Dschungels zu entdecken, war trotz anfaenglicher finanzieller Vorbehalte einfach zu verlockend!

Am Parkeingang angekommen, sind wir mit dem Kanu abgeholt worden und mussten erstmal ueber 3 Stunden in die Tiefe des Dschungels fahren bis wir bei unserer Lodge angekommen waren.

Unsere Lodge im Cuyabeno Dschungel

Unser Zimmer in der Cuyabeno Lodge

Dort wurden wir als erstes mit Regenponcho und Gummistiefeln ausgestattet. Gleich bei unserer ersten Wanderung mussten wir feststellen, dass dies zwei unverzichtbare Utensilien fuer die Gegend sind: Wir sind mehrfach knietief im Schlamm eingesunken und es hat wie aus Kuebeln auf uns geregnet. Im Cuyabeno Reservat haben wir definitiv unsere feuchteste Regenwald-Erfahrung erlebt.

Victor, the Jungle Master
Dschungel-Fuehrer Victor leitet uns durch den Matsch

Jeden Tag sind wir mit dem Kanu von unserer Lodge zu neuen Exkursionen aufgebrochen. Vom Boot aus haben wir Voegel wie schwarze Tucane, Kolibris und Papageien sowie Affen und riesige, bunte Schmetterlinge gesehen. Fuer einen kurzen Moment ist sogar der rosafarbene Suesswasser-Delfin vor uns aufgetaucht. In der Laguna Grande haben wir nach Piranhas gefischt und auf dem Heimweg haben wir in der Dunkelheit Ausschau nach den rotfunkelnden Augen der Kaimane gehalten.

Piranha Fishing in Cuyabeno
Beim Piranha-Fischen

Wir haben auch taeglich an verschiedenen Stellen angelegt, um den Dschungel zu Fuss zu erkunden. Auf den Wanderungen hat uns unser Fuehrer Victor erklaert, wie die Einheimischen die lokale Pflanzenwelt nutzen. Wir haben u.a. einen Pilz kennengelernt, der als Verhuetungsmittel genutzt wird, einen Baum gesehen, mit dessen Oel man die Haare pflegt und ein Baumharz beschnuppert, dass als Feueranzuender dient. Wir waren beeindruckt von seinem Wissen, aber auch von seinem gut trainierten Blick fuer die versteckte Tierwelt. Ohne ihn haetten wir nie den braunen Frosch gesehen, der die Form eines Blattes angenommen hat, ganz zu schweigen von den winzigen Froeschen, die nicht groesser sind als ein Daumennagel oder der Baby-Boa ueber unseren Koepfen.

Kleiner Frosch macht sich noch kleiner
Däumeling

Wir sind auch an ein paar Kakaopflanzen vorbei gekommen, die Victor fuer uns geoeffnet hat. Wir waren ueberrascht zu sehen, dass die eigentlichen Bohnen von einem weissen, weichen Fruchtfleisch umgeben sind, das man ablutschen konnte und das sehr suess geschmeckt hat.

Da viele Tiere des Dschungels nachtaktiv sind, durfte eine Nachtwanderung natuerlich nicht fehlen. Dabei haben wir jede Menge Skorpione, dicke Wolfsspinnen und Stabheuschrecken gesehen. Bei der Rueckkehr in die Lodge hat auch noch eine riesige Tarantel vor unseren Schlafraeumen auf uns gewartet. Danach hat nicht mehr jeder so ruhig in der offenen Kabine geschlafen…

Dicke Tarantel

Viel Spass hatten wir bei der alten Dschungel-Omi, mit der wir Brot aus Yucca (Maniok) gebacken haben. Zuerst mussten wir die Wurzeln ausbuddeln und waschen, um sie dann auf einer riesigen alten Reibe in ein umfunktioniertes Kanu zu reiben. Nachdem das Yucca ausgepresst und gesiebt wurde, konnte es ohne weitere Zutat in der Pfanne zu einem Fladen gebacken werden. Wie von Zauberhand klebte alles zusammen und schmeckte gross und klein mit oder ohne Marmelade.

Yucca wird gerieben im Kanu Yucca wird gerieben
Yucca-Fladenbrot wird gebacken Yucca-Brot mit Marmelade - das schmeckt!

Besonders positiv ueberrascht waren wir von dem Besuch bei einem Schamanen, weil es nicht eine dieser folkloristischen Menschenbeschauungen war, sondern ein sehr lehrreiches Treffen mit einer Autoritaet des Cuyabeno-Dschungels. Er hat uns berichtet, wie er von seinem Vater 30 Jahre lang unterwiesen wurde, bis er reif war fuer die Abschlusspruefung. Diese bestand in einer 24 stuendigen, von Rauschmitteln beeinflussten Traumreise, bei der ihm von den Goettern und Geistern des Waldes die letzten Geheimnisse zur Wirkungskraft der Pflanzen offenbart wurden. Nach diesem fuer uns so aussergewoehnlichen Bericht, war er fuer all unsere Fragen offen. So haben wir in einem netten Gespraech viel ueber seinen Alltag und sein Wirken erfahren. Was fuer eine Begegnung!

Dschungel-Schamane

Als wir nach 5 Tagen abgefahren sind, war unser Rucksack voller feuchter, muffiger Klamotten und unser Kopf voller neuer Eindruecke, von denen wir noch immer sprechen!

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From → Ecuador

One Comment
  1. :-)) War bestimmt super! 2001 bin ich von Coca aus viele Stunden mit dem Boot ins Cuyabeno Gebiet gefahren und kam mir bei den Dschungeltrips ein wenig wie Indiana Jones vor! War damals meine erste Begegnung mit dem Dschungel, und bisher auch der beeindruckendste!

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