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Zeitreise nach Peru

by - 14 Jul 2010

Auf unserem Flug von Neuseeland nach Suedamerika war das Flugzeug nicht nur ein Transportmittel, sondern auch eine Zeitmaschine. Wir sind ueber die Datumsgrenze geflogen und sind so nach 25 Stunden Reisezeit am gleichen Tag angekommen wie abgeflogen. 17 Stunden Zeitverschiebung und die lange Reise forderten ihren Tribut: Wir waren so muede, dass wir Lima verschlafen haben und nur zum Essen das Hotel verlassen haben. Selbst auf diesen kurzen Streifzuegen ist uns bereits wieder das geballte Strassenleben begegnet, das wir im ueberhaupt nicht mehr wilden Westen direkt vermisst haben: dampfende Essenstaende, unberechenbarer Verkehr und abgezogene Tierkoerper, die auf der Schulter zum naechsten Restaurant befoerdert werden.

Schuhputzer, Copacabana
Schuhputzer bei der Arbeit

Mit unserer Ankunft in Suedamerika hiess es aber auch das Alarmsystem wieder anschalten. Neben den uns aus Asien bekannten Abzocketricks, den interessanten Hygienestandards, der gebotenen Sorgfalt bei der Auswahl des Essens und den langen, kraefteraubenden Busreisen, kommt in Suedamerika noch ein neuer Aspekt hinzu: die persoenliche Sicherheit. Bewaffnete Ueberfaelle und No-Go Areas in Staedten stellen uns vor eine bisher unbekannte Herausforderung.
In dem Bewusstsein, dass das Reisen nun nicht mehr so bequem sein wuerde, wie noch in Australien oder Neuseeland haben wir uns fuer den Einstieg ein etwas besseres Hotel gegoennt. Wir wurden dort sehr herzlich empfangen und umsorgt wie die eigenen Kinder. Nachdem wir am ersten Tag das Fruehstueck verschlafen haben, hat uns Hotelbesitzer Senor Francis Kuchen aufs Zimmer schicken lassen.
Nachdem wir unsere Batterien wieder aufgeladen hatten, haben wir uns nach Nasca aufgemacht. Hier sind raetselhafte Geoglyphen, d.h. Bilder von z.B. einem Wal, einer Spinne, von Haenden oder Voegeln, in den Wuestenboden geritzt. Diese sogenannten Linien von Nasca entstanden vor rund 1500 Jahren und sie sind mit einer Laenge von bis zu 200 Metern einfach riesenhaft! Vom Boden sind sie kaum wahrzunehmen – so kann man den Peruanern auch nicht wirklich einen Vorwurf machen, dass sie durch eine der Figuren einen Highway gebaut haben. Erst beim Blick aus dem Flugzeug wurden die Linien in den 1920ern mehr durch Zufall wiederentdeckt!
Spider, Lines of Nasca

Oben: Spinne, Unten: Kolibri

Kolibri, Lines of Nasca

Welchem Zweck die Linien dienten, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Die Theorien reichen vom ausgekluegelten Bewaesserungssystem bis zum kosmologischem Kalender mit religioesen Darstellungen. Vermutlich ist es gerade diese Aura des Geheimnisvollen, die die Linien von Nasca so faszinierend macht.
Angesichts der unklaren Sicherheit der kleinen Flugzeuge, die ueber die Linien fliegen, hatten wir zunaechst unsere Zweifel, ob wir den Flug ueberhaupt wagen sollten. Nachdem wir in Indien einen Chilenen getroffen haben, der im Februar durch den Absturz einer der Maschinen einen Freund und dessen Vater verloren hat, hatten wir uns eigentlich bereits fest entschlossen, nicht zu fliegen. Offenbar hat der Absturz aber zu erhoehten Sicherheitsstandards gefuehrt, so dass wir uns zu unserem Glueck doch noch haben ueberreden lassen.
Unsere Cessna in Nasca Sarah in der Cessna ueber Nasca
In James Bond Manier haben wir uns mit 2 anderen Passagieren und 2 Piloten in die kleine Cessna gezwaengt und haben 40 Minuten lang in steilen Kurven die Linien ueberflogen. Nicht nur reizvoll fuer die Augen, sondern auch fuer den Magen…!

Am gleichen Abend haben wir den Nachtbus nach Arequipa genommen. Dort hat uns eine schoene Altstadt im Kolonialstil erwartet, die auch einige interessante Museen zu bieten hat wie z.B. das Museum, in dem die Mumie des geopferten Inka-Maedchens Juanita mit all ihren Begleitgegenstaenden zu sehen ist. Das Maedchen wurde mit der Bitte auf bessere Erntezeiten den Goettern auf einem Gletscher in 5000m Hoehe geopfert und sowohl die Leiche als auch ihre Kleidungsstuecke, samt Taeschchen fuer Cocablaetter, sind im Eis tadellos erhalten geblieben. Was fuer ein faszinierender Einblick in die Vergangheit!
Ausserdem hat uns das noch heute bewohnte Kloster Santa Catalina begeisert, das eine eigene Stadt in der Stadt ist. Die dort lebenden Nonnen kamen aus sehr wohlhabenden Familien und hatten das Privileg nicht in Gemeinschaftssaelen, sondern in ihren eigenen Haeusern wohnen zu duerfen. So besitzt der Klosterkomplex heute 80 kleine Haeuschen.

Monasterio Santa Catalina, Arequipa Novizenzimmer im Monasterio Santa Catalina, Arequipa

Kueche im Monasterio Santa Catalina, Arequipa Monasterio Santa Catalina, Arequipa

Sarah hat in Arequipa ausserdem eine neue Freundin namens Empanada gefunden. Morgens, mittags und abends hat sie in Arequipa das Haus ihrer kleinen Freundin, die Empanaderia, aufgesucht. Ob gefuellt mit Pollo, Carne oder Queso y Jamon, Sarah hat die kleine Teigtasche zum Fressen gern!
Empanada, die Goettin der Teigtaschen

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From → Peru

4 Kommentare
  1. DDlP permalink

    Und wir haben nur ne ordentliche Hitzewelle (30 – 35 Grad) mit gelegentlichen Gewittern, die kurzzeitig abkühlen, und seit gestern die erste Ministerpräsidentin in NRW. Wird Sarah jetzt ganz rund und dick?

  2. Falls die Frage bezueglich meiner Gewichtszunahme von dem Foto im Flugzeug herruehrt, so kann ich ja nur hoffen, dass das Foto taeuscht! Alles andere waere auch sehr aergerlich, weil ich mich doch schon auf Dicke Bohnen mit Speck bei meiner Rueckkehr in die Heimat freue!
    Aber keine Sorge: Bisher passen noch alle Hosen! Und ansonsten lassen wir einfach mal die Reinigungstablette fuers Wasser weg, dann kuemmert sich bestimmt schnell wieder ein Parasit um die Gewichtsprobleme 🙂

  3. DDlP permalink

    Ich meinte rund und dick wegen der Empanadas. Die Dicke-Bohnen-Zeit ist gerade. Deshalb läuft Dir wohl jahreszeitlich bedingt beim Gedanken daran das Wasser im Munde zusammen. Wir haben wegen der Hitze bisher noch drauf verzichtet.

  4. judipuh permalink

    uh, ich will auch dicke bohnen! 😉

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