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Gartenkunst in Suzhou

by - 17 Apr 2010

Nachdem wir den Anblick der gelben Rapsfelder und der ersten Kirschblueten am Huang Shang Gebirge so idyllisch fanden, haben wir beschlossen die „Gartenstadt“ Suzhou anzusteuern. Hier finden sich einige der schoensten und aeltesten Gartenanlagen Chinas. Die chinesischen Gaerten sind stets bis ins Detail durchgeplant. Sie zeigen das Idealbild einer chinesischen Landschaft, in der Berg- und Seenlandschaft miteinander kombiniert werden.
Lion's Garden, Suzhou

Gaertner im "Humble Administrator Garden"
Auf zahlreichen gewundenen Wegen wird man in den „Steingaerten“ durch eine zerfurchte Bergwelt mit Hoehlengaengen gefuehrt und ueber 1000 Bruecken muss man gehen, um die Seenlandschaften zu erkunden. Bluehende Pflanzen und Baeume sind stets so platziert, dass sie kontrastreiche Farbakzente in diesem kunstvollen Landschaftsbild setzen. Auch die Pavillions aus dunklem Holz fuegen sich stimmig in die Landschaft ein; sie bieten interessante An- und Ausblicke und perfektionieren das Bild einer harmonischen Garten-Architektur.

Achtung: Der folgende Gedankengang entspringt einem Kunsthistoriker-Hirn. Unverstaendnis, Gaehnen oder Augenrollen sind die natuerliche Folge!
Die Gaerten sind aeussert feinsinnig gestaltet. Vielfach ist nur ein einzelner Baum oder ein Felsenstueck vor die weisse Mauer eines Innenhofes gesetzt, die das Naturobjekt in seiner schlichten Formschoenheit erstrahlen laesst.
Architektur und Natur in perfekter Harmonie, Suzhou Museum
Der Baum oder Fels wird bewusst isoliert um zu gewaehrleisten, dass der Betrachter ihm seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt. Vor weissen Waenden huldigen wir sonst nur Kunstwerken im Museum, hier wird ein Baum oder Felsbrocken auf subtile Weise zum Kunstwerk erklaert. Was fuer eine raffinierte Lobpreisung der Schoenheit unserer Natur!

Suzhou ist ein Ort, an dem man sich zwangslaeufig viel im Freien aufhaelt. Passenderweise hat es die ganze Zeit geregnet als wir dort waren. Auch die Tourgruppen haben gemerkt, dass es recht unangenehm ist, bei solchen Bedingungen durch die Gaerten zu wandern, so dass viele fern geblieben sind. So war es uns endlich moeglich, die Gaerten in Ruhe zu geniessen und das Vogelgezwitscher zu hoeren, das sonst vom Dolby Surround Sound der Tourgruppen-Megaphone uebertoent wird. Vielleicht hat es der Wettergott mit dem Regen also nur gut mit uns gemeint??
Als wir dann alle Gaerten angeschaut hatten, kam die Sonne wieder raus und wir haben den Tag fuer einen Ausflug in das Kanalstaedtchen „Tongli“ genutzt.
Unsere bisherige Reisefuehrerlektuere laesst darauf schliessen, dass scheinbar jedes Land eine Stadt aufweisen will, die einen Vergleich mit Venedig erlaubt (selbst ueber Amsterdam und Berlin haben wir lobpreisende Saetze wie „mehr Bruecken und Kanaele als Venedig“ gelesen). Waehrend bei den meisten dieser Staedte schon ein Eimer Wasser neben einer Eisenbahnbruecke genuegt, um sie in die Reihe des „Venedig von …“ einzuordnen, kam hier in der winzigen Altstadt von Tongli tatsaechlich erstmals ein Venedig-Feeling auf. Schmale Gassen winden sich neben Kanaelen mit hoelzernen Ruderbooten, krumme Steinbruecken fuehren ueber das gleiche gruenliche Wasser, die frisch gewaschene Waesche flattert im Wind und in den Cafes gibt es Espresso von Illy – der allerdings ganz unvenezianische 3 Eur anstatt 0,80 Cent kostet.
Kanalstadt Tongli Kanalstadt Tongli
Zurueck in Suzhou hat uns der Expresszug in 30min in die grossstaedtische Modernitaet von Shanghai katapultiert. Davon aber mehr im naechsten Artikel…

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From → China

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