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Sprech‘ ich Chinesisch, oder was?!

by - 28 Mrz 2010

Wenn man sich in China nicht mit einer durchorgansierten Tour herumkutschieren laesst, ist es gar nicht so einfach zum gewuenschten Ziel zu gelangen. Der Tourismus in China ist einfach nicht auf Individualreisende ausgelegt und so befindet sich nirgendwo ein helfendes Schild, erst recht nicht in englischer Sprache. Auch in den anderen Laendern, die wir bisher bereist haben, gab es ein eigenes Schriftsystem, aber an der notwendigen Stelle war auch immer ein Hinweis auf Englisch. In China sieht der hilfreiche Wegweiser immer nur so aus:

Hilfreiche Wegweiser

Da auch alle erhaeltlichen Karten ungenau sind, ist man immer wieder auf die Hilfe der Chinesen angewiesen ist. Da baut sich dann aber gleich die grosse, boese Sprachbarriere auf. Kaum einer spricht ansatzweise Englisch (selbst Worte wie „Internet“, „Bus“, „Ticket“ sind unbekannt!!) und da wir die Worte auf Mandarin nicht akzentfrei aussprechen koennen, ist es den Chinesen unmoeglich zu erraten, was wir wohl wollen. Es ist Ihnen vollkommen unbegreiflich, was zwei Touristen mit Geld in der Hand vor dem Ticketschalter einer Sehenswuerdigkeit verloren haben oder was wir wohl im Internetcafe suchen, wenn wir auf einen freien Computer deuten. Die Angestellten hinterm Zugticketschalter weichen erschrocken zurueck, wenn sie sehen, dass wir uns zielstrebig ihrem Fensterchen naehern und fangen nervoes an zu kichern, bevor wir ueberhaupt etwas gesagt haben. Selbst die Taxifahrer kurbeln die Fenster hoch und stehlen sich davon, wenn sie uns kommen sehen!

Jeden Tag umgeben von Millionen von Chinesen, die ebenfalls nur Mandarin sprechen, scheinen sie ganz selbstverstaendlich davon auszugehen, dass jeder Mensch auf der Welt diese Sprache fliessend beherrscht. Jedenfalls kommen sie ganz ohne Hemmungen auf uns zu, um uns auf Mandarin voll zu quatschen. Offenbar uebersteigt es ihre Vorstellungskraft, dass wir sie gar nicht verstehen koennen. Wir haben uns angewoehnt, sie eine Weile reden zu lassen und dann auf Deutsch dazwischen zu fahren: „Wissen Sie, wir verstehen leider kein Chinesisch, genau so wenig wie Sie Deutsch oder Englisch. Daher haben wir leider ueberhaupt keine Ahnung, wovon Sie gerade sprechen. Falls Sie etwas verkaufen wollen, verstehen wir leider nicht einmal, welches Produkt sie bewerben wollen.“ Dann sind sie meist kurz sprachlos und wir koennen in ihren Gesichtern ein grosses Fragezeichen erkennen und den Gedanken lesen: „Die beiden sind ja nicht ganz helle; die sprechen ueberhaupt nicht meine Sprache und quasseln einfach auf mich ein, dabei verstehe ich doch kein Wort!“

Manchmal entdecken wir doch ein Schild, das englische Worte aufweist. Die Zusammenstellung der Worte erscheint uns allerdings vollkommen sinnfrei und traegt hoechstens zur allgemeinen Erheiterung bei.

Alles klar!?

Wie sieht es bloss in den chinesischen Koepfen aus, wenn sie solche Saetze produzieren? In der Regel lassen Sprachstrukturen ja auch auf die Denkstrukturen einer Gesellschaft schliessen. Vielleicht liegt hier auch der Schluessel zum Verstaendnis des chaotischen Verkehrsverhaltens der Chinesen..??

Apropos Verkehr: Wir kommen in China nicht darum herum, viele Ziele mit dem Taxi anzufahren. Das erspart uns frustierendes und erfolgloses Gesuche. Wenn uns endlich ein Taxifahrer mitnimmt, koennen wir auf die notwendigen Zeichen in unserem Reisefuehrer zeigen. So kommen wir meist noch am effizientesten zum Ziel unserer Wahl. Praktisch ist auch, dass wir einfach ablesen koennen, wieviel wir zu bezahlen haben. Denn selbst fuer das Anzeigen von Zahlen mit den Fingern haben die Chinesen eigene Gesten entwickelt. Wir haben eine Weile gebraucht, um
herauszufinden, dass ein ausgestreckter Daumen und kleiner Finger (wie die Geste fuer „telefonieren“) eine 6 darstellen soll oder zwei gekreuzte Zeigefinger die Zahl 10 anzeigen.

Auch wenn es in China also manchmal etwas laenger dauern kann, haben wir bisher noch immer unser Ziel erreicht. Inzwischen schlagen wir sogar Kapital aus den Sprachbarrieren und der Begriffsstutzigkeit der Chinesen: meistens bekommt nun auch Friedrich den grosszuegigen Studentenrabatt, da man hier seinen Fuehrerschein (trotz der Abbildung von kleinen Autos auf der Rueckseite) durchaus als Studentenausweis akzeptiert.

Zur Ehrenrettung muessen wir aber erwaehnen, dass die wenigen Englisch sprechenden Chinesen ueber die Massen hilfsbereit sind – wenn es doch nur ein paar mehr davon gaebe! 🙂

Sarah: „Do you speak English?“
Hotel-Rezeptionistin in Pingyao: „E-ee-ee?!? Ee-ee-ngl-isss?!????“

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From → China

8 Kommentare
  1. Das Schild mit den Hin- und Her-Übersetzungen ist wirklich toll.

    Erinnerte mich an die grossartige Website Translationparty die einen englischen Text so lang ins japanische und wieder zurück ins Englische übersetzt bis ein „Equilibrium“ erreicht ist, also die Übersetzungen nicht mehr voneinander abweichen.

    Wenn man dort den Satz „The tour consults with a telephone.“ eingibt wird nie ein Equilibrium erreicht: http://translationparty.com/#7026581 (die Seite lädt manchmal sehr träge).

    Aber bei allem Spott über mangelnde Fremdsprachenkenntnis der Chinesen: Vor 10-15 Jahren wäre man in Deutschland mit Englisch auch nicht sehr weit gekommen.

  2. EElP permalink

    Ich weiss ja nicht, ob die englisch-japanischen Übersetzungsversuche bei Translationsparty hier wirklich hilfreich sein können. Aber jedenfalls ist es lustig. Für „The tour hurl dismantles a telephone“ findet das Programm das englisch-japanische Equilibrium mit „Give a tour of mobile phones“. Da kannste doch gleich was mit anfangen.

  3. Es mag ja sein, dass auch nicht alle Deutschen mit Englishkenntnissen glaenzen koennen, aber sie werden sich trotzdem nicht so unkreativ im Erraten dessen anstellen, was der Fremde wohl will. Wenn man in Deutschland vor der Orangenverkaeuferin mit Geld in der Hand steht und auf die Orangen zeigt, kann sie auch ohne Englisch erkennen, was man wohl beabsichtigt. In China holt die Verkaeuferin im besten Falle einen Zettel raus und schreibt dir in chinesischen Schriftzeichen auf, was du schon in gesprochener Version nicht verstanden hast…

    Ausserdem: Spott macht das Leben schoener! 🙂

  4. Du hast natürlich recht, und ich musste hier auch sehr lachen als ich mir die Szene bildlich vorstellte:

    Es ist Ihnen vollkommen unbegreiflich, was zwei Touristen mit Geld in der Hand vor dem Ticketschalter einer Sehenswuerdigkeit verloren haben oder was wir wohl im Internetcafe suchen, wenn wir auf einen freien Computer deuten.

    „Was könnten sie bloß wollen? Europäer sind so seltsam…“

  5. Bodil Sch permalink

    Dann leg doch einfach das nächste mal einen Zettel auf die Theke wo drauf steht. “ I am urgent to rescue an orange.“ Oder so etwas, das könntest du ja fast vollständig auch auf Mandarin schreiben und dann eine Orange hochhalten, vielleicht schnallt sie es dann? Auf jeden Fall weiterhin viel Spaß mit den Kommunikationsversuchen. Ihr macht das schon!

  6. Sylvie & Andi permalink

    Wieso Orangen? MANDARINEN sind der Schluessel zum Glueck!!
    Nee jetzt aber mal im Ernst: Super witzig was ihr da so schreibt, aber Lust auf China macht es nicht gerade. Wie laeuft es eigentlich mit Speisekarten in Restaurants bzw. Essensbestellungen? Und wie schmeckt Euch ueberhaupt das Essen? In Varanasi haben wir einen chinesischen Amerikaner getroffen, der ein chinesisches Sprichwort zitierte: „Chinese eat everything with 4 legs except of tables“. Leider haben wir es versaeumt zu fragen was mit Stuehlen ist….

    Ching Chang Chung, Chacka ihr schafft das!

  7. Teddy permalink

    also das nächste mal unbedingt mit einem kleinen wörterbuch in der hand 😉

  8. JB Andersen permalink

    Your Australia comments concerning Aboriginal people ring true for the United States also. It is what Europeans have done to African and Native peoples in North America also.

    It is humorous to hear about your getting back to a Western country with toilet paper and electricity being grossly over used for air conditioning.

    jb

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