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Myanmar Halbzeitanalyse

by - 27 Jan 2010

Nun sind wir bereits seit 2 Wochen in Myanmar (Burma) und damit ist auch schon die Haelfte unserer Reisezeit fuer dieses Land abgelaufen. Wir werden wohl weniger sehen koennen, als gedacht. Der laaangsaaame Transport ueber Stock, Stein und Sand raubt uns wertvolle Zeit. Was man bei uns fuer eine unbefahrbare Strasse halten wuerde, bezeichnet man hier als Highway. Auf diesen Pisten huepfen wir mehr durch das Land, als dass wir fahren. Dass viele Fahrten nur als Nachtfahrten angeboten werden, macht das Reisen nur beschwerlicher, denn meistens macht man dabei kein Auge zu. Das liegt entweder an den Karaoke und Comedy DVDs, die bis tief in die Nacht in Rentnerlautstaerke den Bus beschallen oder den Passkontrollen, die die Insassen zu Unzeiten aus dem Bus treiben. Wenn der Vordermann seine Kotztuete endlich vollstaendig gefuellt hat, kann man eventuell einnicken – aber nein, da naht auch schon wieder die naechste Raststaette, bei der im 2 Stunden Rhythmus alle Insassen wieder aus dem Bus getrieben werden. Unterm Strich ist man bei der Ankunft so ermattet, dass man einen weiteren Tag braucht, um sich von der Fahrt zu erholen.

Da wir also nicht so viel sehen koennen wie gehofft, haben wir beschlossen, in jedem Fall wieder zu kommen, denn dieses Land ist bisher das faszinierendste, das wir besucht haben. Es ist nicht nur die landschaftliche Schoenheit Myanmars mit seinen goldstrahlenden Pagoden, sondern vor allem die Lebensart der Einheimischen, die dieses Land so besonders machen.

Die von oben gelenkte Verzoegerung des Fortschrittes sowie die gesteuerte Verarmung der Bevoelkerung haben ein ganz eigenartiges Klima entstehen lassen. Jeder kritisiert hinter vorgehaltener Hand die Zustaende, denen man sich hilflos ausgeliefert fuehlt. So verwundert es kaum, dass hier der Buddhismus als Quelle der Hoffnung besonders aktiv gelebt wird. Waehrend sich der Reisende zunaechst an der malerischen Natur, die von den Bauern ohne Maschinen nur per Muskelkraft bewirtschaftet wird und wo keine Fabrikschlote im Hintergrund rauchen, erfreut, muss man sich doch bald klar machen, dass gerade die ausgebliebene Industralisierung eine entscheidende Ursache fuer die Rueckstaendigkeit und Armut des Landes sind.

Bei unserer Ankunft haben wir uns beim Anblick der alten Autos nur um 50 Jahre zurueckversetzt gefuehlt, als wir dann kurze Zeit spaeter allerdings Pferdekutschen und Ochsenkarren ueber wackelige Holzbruecken haben fahren sehen, glaubten wir uns mitten im 19. Jahrhundert.

Obwohl der Lebensalltag beschwerlich ist (man waescht sich auf dem Buergersteig beim oeffentlichen Brunnen und gluecklich, wer einen Generator hat, denn Strom gibts nur stundenweise und das auch nur in der Stadt), hat jeder ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Und dies macht uns bewusst, dass man nicht viel braucht, um gluecklich zu sein und erst recht keine materiellen Gueter. Die Menschen setzen andere Prioritaeten und leben andere Werte, die auf einem harmonischen Miteinander beruhen. Hier sind die Menschen vielfach umso liebenswuerdiger und grosszuegiger, je aermer sie sind. Nie ist uns so viel Herzlichkeit und freundliche Neugier begegnet.

Das Land sieht relativ wenig Touristen und ein Fremder ist immer noch eine Attraktion. So sind wir im Bus bisher immer die einzigen Westler und stehen damit gleich im Mittelpunkt des Interesses. Auf der Strasse erleben wir in bisher unbekannter Dimension das Gewinke und Hallo-Gerufe; einige kommen schnell, um uns kurz die Hand zu schuetteln. Sobald einer aber 3 Worte Englisch beherrscht, wird der Versuch gestartet, mit uns ins Gespraech zu kommen. Es haben sich schon einige ruehrende Szenen ergeben wie z.B. als man uns im Bus mit Orangen beschenkt hat oder ein paar Kinder bei unserem Anblick flink ein paar Blumen gepflueckt haben, die sie uns dann ehrfurchtsvoll ueberreicht haben.

Vorgestern sassen wir in Mandalay vor unserem Currygericht am Nachtmarkt, als der Herr neben uns auf burmesisch versuchte, uns davon zu ueberzeugen, mehr zu bestellen. Da wir aber gar nicht so hungrig waren, haben wir dankend abgelehnt. Er hat sich aber nicht lang bitten lassen und kurzer Hand eine weitere dicke Portion fuer uns bestellt. Daraufhin hat er unser gesamtes Essen bezahlt und sich mit einem freundlichen Laecheln verabschiedet.
Manchmal finden die Burmesen unsere blosse Anwesenheit schon so ulkig, dass sie anfangen zu lachen. Wenn man dann auch noch auf der Landessprache seinen Kaffee bestellt, bricht das gesamte Cafe in schallendes Gelaechter aus und unsere Worte gehen noch minutenlang durch alle Reihen. Der einzige englischsprachige Anwesende klaert uns auf, dass unsere Aussprache richtig war, aber die Tatsache, dass wir die Worte wussten, sei entsetzlich komisch. („You said YoYo!“ – „Is that wrong??“ – „No,no!“ – „Why is everybody laughing then?“ – „You said YoYo!!“)

Das war nur ein kleiner Ausschnitt von unserem bisher Erlebten, wir werden genauere Beschreibungen von den einzelnen Reisezielen folgen lassen, wenn es uns die Internetverbindung erlaubt, auch die dazu gehoerigen Fotos hochzuladen…

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From → Myanmar

7 Kommentare
  1. judipuh permalink

    awesome!

  2. ja cool! Ich hätte ein bisschen angst das Myanmar gar nicht freundlich wäre. Bin froh das ihr mich aufklären könnt 🙂

  3. EElP permalink

    Spannend. Könnt Ihr die Freundlichkeiten irgendwie erwidern?

  4. Vielleicht vor der Busreise ein kleines Pfeifchen rauchen? So zur Entspannung.

    Klingt aber ansonsten echt genial!

  5. Wir erwidern die Freundlichkeiten teilweise direkt, durch freundliche Gespraeche mit den Einheimischen oder indirekt, in dem wir auf das Prinzip des buddhistischen Zirkels vertrauen. Das wurde uns zum erstenmal in Vietnam erklaert, aber hier wird dieses Prinzip noch offensichtlicher gelebt. Das heisst: Das was man gibt, kommt irgendwie auch wieder zu einem zurueck. Manchmal bekommt man Zinsen und manchmal macht man einen kleinen Verlust. Aber, wenn man mit Freundlichkeit und Grosszuegigkeit in die Welt geht, wird man selten Unfreundlichkeit und Ablehnung ernten.

  6. Sylvie und Andi permalink

    Servus Ihr Beiden,
    seit’s gut in Indien angekommen? Wir warten grad in Bangkok auf’s Indien-Visum und sind dann ab 17.3. wieder dort. Aber da seit Ihr ja bereits in China.
    Viel Spass auf Eurem Trip!
    Gruesse von den Muenchner Nachbarn in Myanmar aus Thailand,
    Sylvie und Andi

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