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Von Moenchen, Massagen und fremden Menschen

by - 7 Jan 2010

Weiter ging die Reise nach Luang Prabang – die Stadt, in der es scheinbar mehr Moenche als Normalsterbliche gibt. Ueberall tauchen am anderen Strassenende orangene Farbklekse auf, die sich nach kurzer Zeit als Moenche auf dem Weg zum Unterricht, zum Gebet oder zur gemeinsamen Meditation entpuppen. Die Allgegenwaertigkeit der buddhistischen Lebensfuehrung mit ihrem Streben nach innerer Ruhe und Gelassenheit hat sich auch vollkommen auf das Stadtleben ausserhalb der Kloester uebertragen. Der ideale Ort also fuer eine weitere Massage und ein „facial treatment“, wie wir fanden!
Am Morgen hiess es allerdings frueh um 5.30h aufstehen, weil wir den taeglichen Essensrundgang der Moenche nicht verpassen wollten. Nachdem der Gong erklungen ist, ziehen die Moenche durch die Strassen und erhalten von den Bewohnern am Strassenrand Reis und Bananen. Aber nicht das es hier zu Missverstaendnissen kommt: Fuer die Moenche ist dies kein devoter Bettelgang und sie bedanken sich auch nicht fuer die Gaben. Denn indem die Bewohner die Essensgaben spenden, verbessern sie ihr Karma und dafuer muessten sie eigentlich den Moenchen danken. Auch wenn heute vielfach mehr Touristen als Einheimische in den Reihen der Spender stehen, ist es immer noch ein ergreifendes und ruehrendes Schauspiel.
Daily food donation to monks, Luang Prabang
Dann mussten wir uns aber darauf besinnen, warum wir eigentlich nach Laos gefahren waren – Trekken in den Bergen von Laos! Anders als in Thailand oder Vietnam, wo die Mitglieder der ethnischen Minderheiten dem zahlungswilligen Touristen teilweise wie in einem „Ethnic Zoo“ praesentiert werden, hat man sich in Laos bewusst fuer ein „low impact“ Programm entschieden, bei dem die Gruppen klein gehalten werden und die Anzahl der Besuche reglementiert wird, um das traditionelle Dorfleben nicht zu (zer)stoeren.
Das finden wir unterstuetzenswert und haben wir uns in den Minibus nach Luang Nam Tha gesetzt. Wie gut, dass unsere Mitreisenden so unterhaltsam waren, denn fuer die 143km haben wir anstatt der erwarteten 7 Stunden, dann doch gut 10 Stunden gebraucht. Immerhin hat uns das genuegend Zeit verschafft, eine gemeinsame Trekkinggruppe zu bilden. So haben wir mit dem finnisch-niederlaendischen Paar Anna und Floor sowie dem American couple Kim and Nathaniel den „Akha Trail“ bewaeltigt. Vor der Trekkingtour haben wir aber noch gemeinsam den Silvester-Abend verbracht und am laotischen Kreistanz teilgenommen.
Nathaniel, Floor, Anna, Sarah and Friedrich celebrating New Years Eve in Luang Nam Tha
On the Dancefloor
Danach haben wir drei Tage lang den Urwald durchstreift, kleine Fluesse ueberquert und sind die Berge hoch und runter gelaufen, um verschiedenste Doerfer zu besuchen. Zu Essen gab es drei Tage lang sticky rice, Unmengen von Ei und eine Art Spinat, geduscht wurde im Fluss und geschlafen wurde auf Matten im gemeinsamen Bungalow im Akha Dorf.
Trekking through the jungle
Fuer uns war das nur ein kurzer Ausflug in ein einfaches und entbehrungsreiches Leben, das fuer die uebrigen Menschen dort allerdings der unausweichliche Alltag ist. Viele Doerfer haben keinen Strom, so dass man sich abends mit Taschenlampen in der einfachen Holzhuette zurecht findet. Es gibt einen Raum, in dem gekocht und geschlafen wird. Die Kueche besteht aus einer offenen Feuerstelle, die die gesamte Bude zuraeuchert, das haelt auch Moskitos und Maeuse fern. Bei den Akhas schlafen Frauen und Maenner getrennt? Und woher kommen dann die vielen Kinder?, frage ich neugierig unseren Guide. Dafuer trifft man sich im Feld, erklaert er uns lachend. Wasser holt man uebrigens unten beim Fluss, wo man auch badet. Und Toiletten gibt es keine, jeder geht einfach in die Buesche – die frei laufenden Schweine und Hunde kuemmern sich schon darum, dass alles sauber bleibt…
Akha village
Baby in Basket Lhmu Village
Shower in Akha Village
Akha child carries Akha child
Der Ausflug in die laotische Bergwelt ist wirklich eine Reise in die Vergangenheit. Viel deutlicher noch als in Vietnam ist hier der Unterschied zu unserer modernisierten und technologisierten Lebenswirklichkeit sichtbar. Und die „low impact“ Strategie scheint tatsaechlich aufzugehen. Jedesmal wird unser Bungalow sofort umzingelt, die Neulinge sind einfach zu interessant mit ihren hellen Haaren und Augen, den grossen Sonnenbrillen und faszinierenden Kameras. Die Akha verbringen dann Stunden damit uns einfach anzustarren. Dafuer klettern die Mutigen sogar in ihrer Neugier die wackeligen Holzstufen zu unserer Veranda hoch und lugen verstohlen durch die Tuer. Wer steht da auf welcher Seite des Zaunes im Ethnic Zoo? Jedenfalls werden wir mindestens genauso intensiv betrachtet, wie wir selbst unser Gegenueber betrachten. Das erscheint uns ein fairer Austausch.
The trekking group
Es gibt noch sooo viele weitere Fotos von unserer Tour, die einen Klick auf Flickr lohnen!!

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From → Laos

4 Kommentare
  1. Teddy permalink

    Die Fotos aus Laos und der Artikel dazu.. das hat mich echt beeindruckt! Vor allem dass die Leute da so gläubig sind. Ist eigentlich keine Überraschung..
    LG aus Bulgarien, hoffe euch beiden geht’s gut!!!

  2. Max permalink

    Frischi, deine Haare sind schon wieder so lang!

  3. Schön davon zu lesen! Als ich Feb. 2011in Luang Namtha war, gings mir gesundheitlich nicht so dolle, so dass ich auf die Trekking Tour verzichten musste. Aber so hab ich immerhin doch noch einen Eindruck bekommen 🙂

  4. Ach, von wegen low impact… da hab ich in Laos leider auch viele negative Beispiele erlebt, ich sag nur Party in Vang Vieng.

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