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Durchatmen in Laos

by - 7 Jan 2010

Bisher hatten wir eine recht hohe Reisegeschwindigkeit. In nur 7 Wochen sind wir durch Thailand gereist und haben Kambodscha und Vietnam durchquert. Dabei haben wir soviele Eindruecke aufgenommen, wie wir in der kurzen Zeit gar nicht verarbeiten konnten. Dazu das taegliche sich neu orientieren muessen in der unbekannten Stadt – wo werden wir schlafen? Wo koennen wir was essen? Wieso heisst die Strasse schon wieder ganz anders als auf der Karte? Wieviel kostet der Bus und was bimmelt mir die Handicraft-Frau schon wieder mit ihrem Lotushaarreifen vor dem Gesicht herum?? Immer muss man die Preise genau kennen, alles 1000mal vergleichen, damit man nicht wieder von den freundlich laechelnden Leuten abgezockt wird. Dem vermeintlich so reichen Westler tut das ja nicht weh, denkt man sich wohl. Wenn sich dann alle freundlich laechelnden Menschen immer nur als profitorientierte Haendler, Tuk Tuk-Fahrer oder Touranbieter erweisen, verdaechtigt man bald jede laechelnde Person es dabei immer nur aufs Geld abgesehen zu haben. Wenn man dann auch noch mehrere schlaflose Naechte in Nachtbussen verbracht hat und man sich wegen gestohlener Motarradspiegel grossvaeterliche Vorhaltungen anhoeren muss, braucht man einfach einmal eine Pause. Dabei sind wir zu der wichtigen Erkenntnis kommen, dass

1. Handlungen oder Aussagen von Personen keinen Sinn ergeben muessen.
2. die Lebensweise und die Art des Denkens nach anderen Mustern verlaufen. Um gelassen mit dieser Andersartigkeit umzugehen, sollte man die Differenzen lediglich bemerken ohne sie staendig zu bewerten. Man wird sich nie einfinden, wenn man die fremde Lebensweise permanent mit der eigenen vergleicht und dabei immer nur feststellen kann, dass es doch viiieel einfacher waere, wenn sie es einfach so machen wuerden wie wir!! Man muss sich von den eigenen Denkmustern und bekannten Verhaltensweisen befreien, um die fremden schaetzen zu lernen. Das erfordert allerdings ein ganzes Stueck Arbeit an der eigenen Persoenlichkeit. Aber das ist ja genau die Herausforderung, die wir gesucht haben.

Mit diesen einfachen aber grundlegenden Erkenntnissen sind wir von Hanoi in die Hauptstadt von Laos, nach Vientiane, gereist. Die entspannte Lebensart der Laoten geniessen wir in vollen Zuegen. Hier laden wir bei einem etwas entschleunigteren Reisetempo unsere Batterien wieder auf.
Wat That Luang, Vientiane
Audienz bei Buddha, Wat Sisaket, Vientiane
Die 250.000 Einwohner zaehlende Stadt ist mit Sicherheit die verschlafenste Hauptstadt Asiens. Waehrend wir bisher in grossen Trauben von Tuk Tuk Fahrern umzingelt wurden, die uns alle eine vollkommen ueberteuerte Fahrt zum Hotel ihrer Wahl anbieten wollten, sieht man hier die Tuk Tuk Fahrer in einer Haengematte schlafen, die sie sich in ihrem Gefaehrt aufgespannt haben. Und liegt es am Geld oder daran, dass die Bevoelkerungszahl so niedrig ist, dass hier Autoverkehr kaum vorhanden ist?? Wir wissen es nicht, die Lebensqualitaet wird dabei aber ungemein gesteigert. Im Uebrigen wedelt man hier auch nicht permanent dem Reisenden mit Speisekarten, Handicraft oder Massageflyern im Gesicht herum oder ruft ihm aufgeregt die Angebote des Tages hinterher. Meistens ist es sogar umgekehrt: geht man in ein Geschaeft oder zum Essensstand, ist keiner da. Erst nach einigem „Sabaideeeeee“ (Hallo) Gerufe kommt einer um die Ecke und schaut meist recht erstaunt, was man denn nun in seinem Laden eigentlich will. Uns ist diese Lebensart viel lieber und wir finden es sehr angenehm, dass wir nicht immer gleich als „walking Dollar“ betrachtet werden, der geschlachtet werden muss.
Apropos Dollar: Natuerlich spiegeln auch die Bilder auf den laotischen Geldscheinen die hiesige Lebenseinstellung wieder. Jede Nation stellt bekanntlich auf ihren Geldscheinen das dar, von dem sie glaubt, dass es sie am besten repraesentiert. Und was zeigen da die Laoten? Auf der Vorderseite 3 Frauen verschiedener Volksstaemme vor dem Nationalmonument (vergleiche Foto vom goldenen Tempel weiter oben) und auf der Rueckseite eine Herde gemuetlich grasender Bueffel auf offenem Feld! In der Ferne eine Stromleitung, die vermutlich den technologischen Fortschriftt darstellen soll.
Geldschein Laos
Geldschein Laos
Einen anderen Schein, bei dem Maenner die Schleusen fuer ein Wasserkraftwerk oeffnen, interpretieren wir ebenfalls als Huldigung an die technologischen Errungenschaften des Landes. Auf der Rueckseite sieht man aber wiederum eine Gruppe von Frauen mit Bambuskoerben auf dem Ruecken per Hand Obst von den Baeumen pfluecken.

Und was haben wir an Weihnachten gemacht?? Tja, das Fest der Liebe ist vollkommen untergegangen. Wir haben den Tag in der „herbal steam sauna“ mit anschliessender Lao Massage verbracht. Nur weil wir an dem Tag unser Visum fuer Myanmar abholen konnten, ist uns ueberhaupt aufgefallen, dass es sich um den Weihnachtstag handelt. Sicherlich haben wir in der laotischen Sauna unser bisher entspanntestes Weihnachten verbracht. Die Schwitzebude befand sich mitten im Wald und gehoerte zu einem nahegelegenen Tempel. Die Ruhe in der Sauna wurde nur vom Gekicher der Masseusen und dem Gegacker der Huehner unterbrochen. Einfach herrlich!

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From → Laos

One Comment
  1. Welcome to Lao P.D.R… steht für Please Dont Rush 😉 hey, wer aber so ein Programm wie ihr in hingelegt hat, darf sich auch in der sehr lässigen Sauna beim Tempel verwöhnen lassen! War super sich mit Laoten über internationale „Sauna Kultur“ zu unterhalten :-))

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