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Ausflug in die Berge

by - 21 Dez 2009

In Vietnam haben sich 53 verschiedene ethnische Minderheiten angesiedelt und es werden 30 verschiedene Sprachen gesprochen. Viele der Volksgruppen leben in kleinen Doerfern in den Bergen hoch im Norden des Landes. Ein Industrialisierungsprozess hat hier nie stattgefunden, der Acker wird mit Handkarren und Bueffel-Pflug bestellt, viele Doerfer sind nur in langen Tagesmaerschen zu Fuss erreichbar, weil die schmalen schlammigen Pfade fuer Autos unpassierbar sind. Jede Volksgruppe besitzt eine eigene Tracht aus handgewebten Stoffen, die von den Frauen kunstvoll und farbenfroh bestickt werden. Wir konnten uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen, diesen Menschen persoenlich zu begegnen.
Schoene Aussichten
So sind wir in den Nachtzug von Hanoi nach Sapa gestiegen, um in einer drei taegigen Wanderung von Dorf zu Dorf zu ziehen. Eine Nacht haben wir als Homestay bei einer Dzay-Familie verbracht.
In Sapa frueh am Morgen angekommen, haben wir uns mit dem besten Schokoladen Pancake der Welt gestaerkt und dann hat uns unser Guide auch schon abgeholt und die erste 16km Tagestour konnte beginnen. Unser Guide ist selbst ein Mitglied der Tay-Minderheit (die ihre Urspruenge in Suedchina hat) und so konnte er viel Insiderwissen ueber den Lebensalltag in den Doerfern an uns weitergeben. Er war in den ganzen 3 Tagen aeusserts redselig: von der Zwei-Kind-Politik Vietnams ueber die Herstellung von Indigostoffen der Black Hmong people bis zu seiner Lieblingszubereitungsart von Hundefleisch hat er uns umfassend informiert.
Bei dem Fachgespraech ueber die vietnamesische Kueche zwischen ihm und Friedrich hat er uns wissen lassen, dass Katze aber eh viel besser schmeckt als Hundefleisch, das man im Uebrigen auch immer mit viel Kraeutern kochen muesse, um den strengen Geruch des Fleisches zu uebertuenchen. Spinne dagegen sei aeusserst schmackhaft, ein wenig wie Erdnuesse. Als er merkte, dass wir der vietnamesischen Kueche recht aufgeschlossen gegenueberstehen, hat er gleich angeboten ein Spider-Dinner fuer den Abend in der Dzay-Familie zu arrangieren. Zwar hat Sarah gerade ihre schlimmste Spinnenphobie ueberwunden, aber ihre krossen Beine und weichen Koerper zu knuspern erschien dann doch etwas zu viel des Guten und wir haben dankend abgelehnt.
Unser Guide war seinerseits auch sehr interessiert an den europaischen Verhaeltnissen und hat uns dazu viele Fragen gestellt z.B. ob es stimme, dass wir Gemuese in Glashaeusern wachsen lassen und so das ganze Jahr ueber jedes beliebige Gemuese essen koennen. Und ach ja, Klimawandel das habe er auch schon mal gehoert – von den anderen Touristen… Mit Bewunderung hat er vernommen, dass bei uns jedes Dorf aerztliche Versorgung geniesst und die Menschen aufgrund dessen recht alt werden, 80 Jahre seien keine Seltenheit. Und wenn die Gelenke nicht mehr funktionieren, wuerden wir sie durch Plastikgelenke ersetzen. Da hat er nur gestaunt und uns erzaehlt, dass sein Opa schon 75 ist und damit der Aelteste weit und breit. Die meisten sterben mit etwa 65 Jahren. Die Aertze seien weit weg und kaemen auch im Notfall nicht in die Doerfer, da sie wissen, dass die Patienten sie eh nicht bezahlen koennen. Unsere regen Gespraeche wurden nur unterbrochen, um den atemberaubenden Ausblick auf die Reisterrassen zu geniessen.
Bueffel geniesst den Ausblick
Reisterrassen
Auf dem Weg begegnen einem laufend Angehoerige der verschiedenen Volksgruppen in ihren herrlich bunten Gewaendern. Die Maenner schleppen Bambus fuer die Erneuerung des Hauses und die Frauen, haeufig mit Kind auf dem Ruecken, schliessen sich den Reisenden ein Stueck weit an, plaudern und hoffen darauf, ihre Handarbeiten zu verkaufen.
Hmong Frau hilft Friedrich durch den Matsch
Hmong Frau
Wir haben zwei Frauen der Red Hmong einen Schal und eine Tasche abgekauft, mussten allerdings feststellen, dass wir in Sapa selbst weniger als die Haelfte dafuer bezahlt haetten! Da haben uns die freundlich laechelnden Damen ganz gut uebers Ohr gehauen und sich als gewiefte Schlitzohren entpuppt. Da es sich aber eh immer nur um kleine Geldbetraege handelt, haben wir uns davon nicht die gute Laune verderben lassen.
Red Dzay
Red Dzay im Verkaufsgespraech
Als wir uns am letzten Morgen die kalten Finger an einer warmen Tasse Tee gewaermt haben und der Nebel ueber den Reisterrassen hing, ist uns nochmal deutlich geworden, welch ein einmaliges Erlebnis wir hier hatten! Der Vergleich der Lebensverhaeltnisse hat unseren Horizont schon in der kurzen Zeit zweifelsohne erweitert. Wir haben den Eindruck, wir haetten nicht viel spaeter kommen duerfen, denn auch hier ist der Aufbruch spuerbar. Mit dem Anschluss an das Stromnetz erhalten Maschinen, TV, Computerspiele und Handies – kurz die globalisierte Welt – Einzug in das Dorfleben und das wird das traditionelle Leben der Volksstaemme veraendern, wenn nicht aufloesen.

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From → Vietnam

One Comment
  1. Rupert permalink

    Hey Sarah und Frischi!

    Merse für eure Postkarte. Hat und sehr gefreut!

    Rupert

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